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Prof. asoc. Dr. Stefan Gress

Anatomie

Zur Besprechung der verschiedenen Operationstechniken ist es sehr wichtig zu verstehen, welche Veränderungen vorgenommen werden sollen und warum. Es zeigt sich in unserer täglichen Praxis nicht selten, dass auch grundlegende anatomische Kenntnisse über die unterschiedlichen Strukturen der Genitalregion nicht immer vorhanden sind oder Begriffe verwechselt werden.

Hier zur Rekapitulation die wichtigsten Strukturen:

Beckenboden

Der Beckenboden besteht aus Muskel- und Bindegewebsplatten, aufgespannt wie eine muskuläre Hängematte im ringförmigen Becken. Seine Aufgabe ist im Wesentlichen die Lagesicherung der Bauch- und Beckenorgane. Er verhindert damit, dass z.B. die Blase, die Gebärmutter, Eierstöcke, Darm usw. nach „unten durchrutschen“. In seinem Zentrum liegen Öffnungen für den Durchtritt des Darmes, der Scheide und der Harnwege. Zwischen After und unterem Vaginalpol befindet sich eine bindegewebige Platte, der Damm (oder auch Perineum genannt). Hier strahlen Faszien und Sehnen des Beckenbodens ein und stellen einen bedeutenden mechanischen Knotenpunkt dar.

Vulva

Als Vulva (Pudendum) bezeichnet man die Gesamtheit aller Strukturen des äußeren weiblichen Genitales:

  • große Schamlippen (Labia majora)
  • kleine Schamlippen (Labia minora)
  • Klitoris (Clitoris)
  • Vaginaleingang
  • Harnröhrenöffnung,
  • Schamhügel (Mons pubis)

Fälschlicher Weise wird der Begriff der Vulva häufig mit dem Begriff der Vagina verwechselt, nicht selten in den Medien.

Anatomie der Vulva

Äußere Schamlippen (Labia majora)

Die äußeren Schamlippen sind zwei kräftige Hautwülste, die paarig angelegt und leicht gebogen die inneren Schamlippen umrahmen und vom Schamhügel zum Damm ziehen. Sie sind vorne und hinten durch je eine Gewebebrücke verbunden und gehen nahezu stufenlos in den Schamhügel über.

Die relativ derbe Haut entspricht der Haut des Hodens und ist behaart. Sie enthält Talg- Schweiß- und Duftdrüsen.

Unter den äußeren Labien befindet sich reichlich Fettgewebe, das einen mechanischen Schutz der äußeren Genitalregion bietet, die inneren Schamlippen bedeckt und hilft, den Vaginaleingang zu verschließen.

Altersbedingter Rückgang des Fettgewebes (Fettgewebsatrophie) bedeutet einen Verlust oder zumindest eine Einschränkung dieser Funktion und führt zu einem Erschlaffen der äußeren Labien. Die Haut kann sich im Laufe des Lebens dehnen und zu einer sichtbaren Vergrößerung (Hypertrophie) der äußeren Schamlippen führen.

Innere, kleine Schamlippen (Labia minora)

Die kleinen Schamlippen sind zwei schmale Hautfalten, die in Größe und Form von Frau zu Frau sehr unterschiedlich ausgeprägt sind. Idealer Weise werden sie von den äußeren vollständig bedeckt. Ihre Funktion ist es, den Vaginaleingang zu verschließen zum Schutz vor Infektion und Austrocknung der Scheide.

Sie ziehen zwischen den äußeren Schamlippen liegend vom Schamhügel nach unten zum Damm. Oberhalb der Clitoris bedecken sie den Clitorisschaft, der sich in Form eines halbierten Zylinders nach außen wölbt. Dieser obere Abschnitt bildet die Clitorisvorhaut. Der untere Anteil der Clitorisvorhaut bedeckt die Spitze der Clitoris. Diesen Teil bezeichnet man als Clitorismantel.

Form und Länge des Clitorismantels variieren sehr stark. Manchmal bedeckt er die Clitorisspitze nur im oberen Anteil, manchmal die gesamte Clitorisspitze und hängt wie ein Vorhang drüber.

Die Haut der kleinen Labien ist wesentlich dünner als die der großen Schamlippen. Sie sind nicht behaart und enthalten kein Fettgewebe.

Mit zunehmendem Alter, aber auch schon bei Jugendlichen, wachsen die inneren Schamlippen häufig und ragen dann mitunter sichtbar aus der Bedeckung der äußeren Labien heraus. Funktionelle Beeinträchtigungen können neben ästhetisch unschöner Erscheinung resultieren.

Ab wann spricht man von einer Vergrößerung (Hypertrophie) der inneren Schamlippen? Es gibt dazu keine international anerkannte Festlegung. Wenn die Schamlippenhöhe ausgehend von ihrer Basis an der Interlabialfalte eine Höhe von 2 cm überschreitet, beginnen sie in der Regel sichtbar aus der Bedeckung der äußeren Schamlippen herauszuragen und gehen vermehrt mit physischer und psychischer Beeinträchtigung einher. Eine Schamlippenhöhe von über 2 cm und darüber kann daher als vergrößert (hypertroph) bezeichnet werden.

Clitoris

Die Clitoris ist das einzige Organ des Menschen, das allein der sexuellen Lust dient. Sie ist eine dreidimensionale Struktur in Form eines umgedrehten Y, bestehend aus zwei sich in der Mittellinie des Schambeines vereinigenden Schenkeln.

Die Spitze des Clitorisschaftes (Glans), ist der einzig äußerlich sichtbare Abschnitt der Clitoris und  wird im allgemeinen Sprachgebrauch als Clitoris bezeichnet, obwohl es sich nur um den kleineren, sichtbaren Teil der sehr viel größeren Clitoris handelt.  Er wird in seiner Form oft mit einer kleinen Beere verglichen. Die Innervation der Clitoris erfolgt über zwei direkt auf ihr verlaufenden Nerven, die sich an der Clitorisspitze in viele sehr kleine Verästelungen aufzweigt.

Schamhügel (mons pubis)

Der Schamhügel ist eine das Schambein bedeckende Vorwölbung, der sich zwischen dem Unterbauch und dem Ansatz der äußeren Schamlippen erstreckt und nach seitlich bis an die Leistenfalte heranreicht. Ausgefüllt ist der Schamhügel von reichlich Fettgewebe.

Die Haut des Schamhügels ist behaart und relativ dick. Bei Übergewicht nimmt das Volumen und damit die Größe des Schamhügels zu, im Alter und vor allem bei Übergewicht kann sich der Schamhügel nach unten absenken.

Scheide (Vagina)

Die Vagina ist ein ca. 10 cm langer Schlauch, bestehend aus Muskeln und einer gefältelten Haut als innerer Auskleidung. Die Vorderwand und Hinterwand der Scheide berühren sich im entspannten Zustand. Die biologische Funktion der Scheide ist die Aufnahme des Spermas. Sie dient der Kohabitation, also dem Geschlechtsverkehr und als Geburtskanal. Fälschliche Weise wird unter dem Begriff Vagina oft der äußerlich sichtbare weibliche Genitalbereich verstanden. Die Vagina gehört allerdings zu den innen liegenden weiblichen Geschlechtsteilen. Der sensibelste Teil der Vagina ist eine ca. münzgroße Region an der Vaginalvorderwand etwa fingerbreit über der Harnröhrenöffnung. Er wir als G- Punkt bezeichnet.

Jungfernhäutchen (Hymen)

Das Jungfernhäutchen ist eine halbmond- oder ringförmige Hautmembran oder Hautfalte, die den Scheidenvorhof in Höhe des Harnröhrenausganges unvollständig verschließt. Bei erstem Geschlechtsverkehr reißt es in der Regel sternförmig ein. Besondere Bedeutung hat es für moslemische Frauen vor der Hochzeit, da ein intaktes Jungfernhäutchen beweist, dass noch kein Geschlechtsverkehr stattgefunden haben kann.

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