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Grazia

Grazia, Juni 2012

„Ich war beim Intim-Chirurgen“

Okay, dass Männer in der Gemeinschaftsdusche auf das beste Teil des Nachbarn schielen, wissen wir ja. Doch dass sich auch Frauen untenrum vergleichen? Der rasante Anstieg der Intim-Operationen spricht dafür. Aber muss inzwischen wirklich alles im Leben optimiert werden? In GRAZIA erzählt Louisa N. (40, Name geändert), warum sie sich für so einen Eingriff entschieden hat.

Ich weiss, es hört sich blöd an, aber ich dachte, ich hätte die längsten Schamlippen überhaupt.

Fahrradfahren tat weh, ich traute mich nicht mehr mit Freundinnen in die Sauna – und Duschen nach dem Schwimmen war eine Tortur. Ich habe mich für die rund zwei Zentimeter langen Hautlappen total geschämt. Man verhält sich so komisch, versucht immer, ein Handtuch vor den Schambereich zu halten. Ich hatte natürlich das Gefühl, jeder schaut dorthin.

Mein Mann wusste, dass mich mein Intimbereich immens störte und dass ich mich dort so hässlich fühlte. Er war schließlich derjenige, der sagte: „Dann lass da doch was machen.“ Ich war perplex: „Wie, was machen?“ Aber dann habe ich im Internet recherchiert – und war ganz erstaunt, dass Intim-Operationen – und vor allem die Straffung der inneren Schamlippen – immer populärer werden.

Kurz darauf hatte ich einen Routinetermin bei meinem Gynäkologen. Also sprach ich ihn auf den Eingriff an, und er empfahl mir einen Chirurgen in München. Der nahm mir dann auch die Angst, dass ich nach der Operation beim Sex weniger empfinden könnte. Ich ließ ihn schließlich nicht nur das überschüssige Gewebe entfernen, sondern auch die Klitoris versetzte, sodass sie noch stärker stimuliert werden kann. Und eine bestimmte Nähtechnik sorgte dafür, dass sie jetzt sogar zugänglicher und deshalb empfindsamer ist. Was ich vorher nicht gedacht hätte: dass der Eingriff so lange dauert. Die zweieinhalb Stunden im OP kamen mir ewig vor. Man denkt nur: Wahnsinn, wie lange noch? Irgendwann rebellierte mein Rücken, ich konnte kaum noch liegen. Aber dank örtlicher Betäubung spürt man natürlich keinen Schmerz. Und der Arzt und ich konnten ab und zu ein Wort wechseln, was die Zeit etwas schneller vergehen ließ.

Die ersten Tage nach dem Eingriff habe ich Antibiotika und Schmerzmittel genommen, aber eigentlich waren die Schmerzen auszuhalten. Was trotzdem gut war: Ich hatte die Woche Urlaub, weil ich an meinen Arbeitsplatz viel sitzen muss. So konnte ich stattdessen liegen, Kompressen tragen und darüber „schicke“ Netzhöschen. Außerdem hatte ich am Anfang fast schon eine Phobie, was öffentliche Toiletten angeht, weil man sich ständig desinfizieren muss. Aber man merkt mit jedem Tag, wie alles abschwillt und heilt.

Vorher hatte es auch oft schon mal gezwickt, wenn ich enge Jeans getragen habe. Aber jetzt sitzt alles besser. Ich habe von dem Eingriff nicht mal meiner besten Freundin erzählt, obwohl ich das gerne gemacht hätte. Aber es gibt Themen, bei denen man nicht weiß, ob man sie jemanden anderem zumuten kann.

Warum ich mich erst jetzt habe operieren lassen? Mit 20 Jahren hatte ich mich intim noch nicht so rasiert, wie ich es heute tue. Da blieb doch einiges im Verborgenen. Und mir fehlt damals noch das Selbstvertrauen in meine Entscheidungen. Mir ist jetzt viel klarer, was ich durchs Leben „schleppen“ möchte und was nicht. Klar fragt man sich: „Muss alles im Leben optimiert werden?“ Natürlich nicht. Aber für mein Wohlbefinden war die Operation wichtig. Ich habe jetzt besseren Sex als vorher. Und ich bin auch viel ungehemmter, weil ich mich nicht mehr für meinen Körper schäme. Den Eingriff bereue ich absolut nicht.

DEN ARZT UNTENRUM SCHNIPPELN LASSEN?

Für immer mehr Frauen ist Intimchirurgie kein Tabu mehr. Laut „British Journal of Medicine“ hat sich die Anzahl der Schamlippenoperationen seit 2004 verdoppelt. In Deutschland sind es inzwischen über 1400 Eingriffe pro Jahr – die meisten aus rein ästhetischen Gründen. „Heute soll alles jugendlich sein. Gefragt ist ein sehr ästhetisches Genital, wobei die äußeren Schamlippen die inneren voll umschließen“, sagt Prof. Stefan Gress, Facharzt für plastische und ästhetische Chirurgie aus München. Was den Trend noch verstärkt: Immer mehr Frauen rasieren sich die Scham oder entscheiden sich fürs Brazilian Waxing – und legen damit für den Partner und unfreiwillig auch für die Duschnachbarin im Fitnessstudio frei, was ursprünglich unter Haaren verborgen lag. Andere wiederum reiben sich vergrößerte Schamlippen beim Fahrradfahren oder in enger Kleidung wund. Der Eingriff mit dem Laserskalpell ist jedoch nicht ganz ohne. Zwei Wochen danach müssen Kompressen getragen werden. „ Sechs Wochen sollte eine Frau diese Region schonen, danach ist wieder alles erlaubt“, erklärt Prof. Gress. Gefühlsstörungen und Narben treten selten auf, auch wenn ein Restrisiko bleibt.  Kosten: 3000 bis 4000 €.

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