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JOLIE

JOLIE, 3.3.2008, Jolie, Seite 110-111

Realreport

von Johanna Schuhmann

„Seit der Intim-OP macht Sex wieder Spass“

Nach der Geburt ihrer Tochter ist Tanjas Körper nicht mehr wie zuvor: Sie leidet unter ihrem Intimbereich – und entschließt sich zu einer OP.

Ausgelassen tobt Tanja B. mit ihrer Tochter Karina (6) über den Spielplatz. „Sie ist mein Ein und Alles. Schon als Teenie träumte ich davon, ein Baby zu bekommen“, sagt die 26-Jährige. Mit 19 wird Tanja schwanger. Doch durch die Geburt verändert sich Tanjas Körper – und eine lange Leidenszeit beginnt.

„Als ich Karina bekam, hat sich meine Scheide extrem geweitet. Bei den meisten Frauen bildet sie sich nach ein paar Wochen zurück – bei mir nicht“, erinnert sich die Passauerin. Auch ihre Schamlippen hatten sich verändert, die inneren sind nun länger als die äußeren. „Im Fitnessstudio habe ich nie geduscht. Wenn Tanja Radtouren mit ihrer Familie unternimmt, hat sie Schmerzen. Beim Sex fühlt sie nicht mehr so viel wie früher, mit ihrem Freund schläft sie immer seltener.

Tanja fragt ihren Frauenarzt um Rat. Doch der hat kein Verständnis. Die junge Frau geht zu vier weiteren Ärzten – ohne Hilfe zu bekommen. „Eine Ärztin empfahl mir eine Therapie. Sie meinte, meine Probleme seien eher im Kopf als im Intimbereich“, erzählt Tanja. Denn Intim-OPs sind in Deutschland noch relativ exotisch. Tanja recherchiert im Internet – und stößt auf Prof. Stefan Gress: Der Münchner Facharzt für Plastische und Ästhetische Chirurgie gehört zu den ersten deutschen Ärzten, die Operationen dieser Art durchführten. Tanja vereinbart ein Beratungsgespräch, bekommt einen OP-Termin. „Ich war so glücklich, dass endlich jemand mein Problem ernst nahm“, meint sie. Unter Vollnarkose verkürzt Dr. Gress Tanjas Schamlippen mit einem Laserskalpell – so blutet die Wunde nur wenig und verheilt schnell. Außerdem verengt und glättet er ihre Scheide von innen. Tanja bleibt nach der Operation einen Tag im Krankenhaus, Schmerzen hat sie kaum. Sechs Wochen soll sie sich schonen – mit dem Sex wartet sie lieber noch einen Monat länger.

Schöne neue Sexwelt: was nicht passt wird passend gemacht...

Dann überrascht sie ihren Freund mit einem romantischen Abend. „Ich hatte Angst vor Schmerzen, aber es tat nicht weh. Im Gegenteil: Es war der perfekte Sex!“
„Ich operiere drei bis vier Frauen pro Woche im Intimbereich“, so Prof. Gress. „Durch die mittlerweile weitverbreitete Intimrasur ist das Interesse in den letzten Jahren enorm gestiegen.“ Der Chirurg bietet für nahezu jede intime Problemzone eine Lösung an: Er rekonstruiert Jungfernhäutchen, verkleinert Venushügel, vergrößert G-Punkte. „Sexuelle Stimulation entsteht durch Reibung. Und wenn die Anatomie eines Paares nicht zusammenpasst, kann möglicherweise eine Operation zu mehr Lust verhelfen.“ Heißt: Was nicht passt, wird passend gemacht – ist der Penis z.B. klein, wird die Vagina angepasst. Was aber, wenn der nächste Freund ein bisschen mehrzu bieten hat? Dementsprechend sind auch nicht alle Fachleute begeistert von den Möglichkeiten der Chirurgie „down under“: „Die Rechnung, dass eine engere Scheide mehr Lust bedeutet, ist mir zu einfach. Zu einer erfüllten Sexualität gehört viel mehr als nur mechanische Reibung“, sagt Dr. Claudia Schaar, Plastische und Ästhetische  Chirurgin an der Transmed-Klinik in Wiesbaden. Junge Frauen ohne Beschwerden, die hoffen, durch Eingriffe ihr Sexleben zu pushen, schickt sie deshalb wieder nach Hause. „Schließlich sind damit auch Risiken verbunden – wie bei jeder OP: Wenn die Schamlippen zu sehr verkleinert werden, können Keime leichter in die Scheide eindringen. Entzündungen, zerstörte Nerven, Narben und Empfindungsstörungen können die Folge sein.“

3000 Euro, ihre gesamten Ersparnisse, hat Tanja für die Operation bezahlt. Doch die Investition hat sich gelohnt: Auch nach einem halben Jahr ist sie noch glücklich: „Ich finde meinen Körper wieder schön, kann mich beim Sex gehen lassen. Ich würde es wieder machen“, sagt sie. Nächstes Jahr möchten Tanja und ihr Freund ein zweites Kind. Aber diesmal soll das Baby per Kaiserschnitt kommen...

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