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Rekonstruktion der inneren Schamlippen - Labienrekonstruktion - Fehler bei der Schamlippenverkleinerung

Es ist traurige Realität, dass die Anzahl misslungener Eingriffe gerade nach Verkleinerung der inneren Schamlippen sprunghaft in die Höhe gestiegen ist. Fast jeder fünfte Eingriff in unserer Klinik ist eine Wiederherstellung der kleinen Schamlippen nach andernorts durchgeführter, fehlerhafter Operation.

Woher kommt das?

Das liegt vor allem daran, dass Schamlippenverkleinerungen immer noch als eine Art Bagatelleingriff betrachtet werden, nach dem Motto „das schneiden wir schnell mal ab“. Viele Kollegen der Plastischen Chirurgie oder der Gynäkologie haben in der Intimchirurgie wenig Erfahrung und führen diese Eingriffe dennoch durch.

Operationen in der Genitalregion sollten mit gleicher Wertschätzung durchgeführt werden, wie Eingriffe an der Brust oder im Gesicht, mehr noch, geht es hier neben funktionellen und ästhetischen Aspekten auch um sexuelles Empfinden.

Die häufigsten Fehler und ihre Folgen

Eine missglückte Operation ist in jedem Fall eine erhebliche Enttäuschung, manchmal sogar ein Trauma und eine starke psychische Belastung. Vor allem deshalb, weil der Eingriff primär dazu gedacht war, bestehende psychische und physische Beschwerden zu verbessern oder gar zu beseitigen und die Entscheidung für den Eingriff oft nicht leicht fiel. Stattdessen ist die Situation nun noch schlechter geworden.

Je nach Komplikation oder fehlerhafter Behandlung kann es nach einer fehlerhaften Schamlippenoperation zu folgenden Beschwerden kommen:

Unschönes ästhetisches Erscheinungsbild mit zunehmendem Schamgefühl, Schmerzen bei Belastung oder in Ruhe, Empfindungsstörung oder gar Gefühlsverlust, Ablenkung des Urinstrahles, Offenliegen des Vaginaleinganges mit wiederkehrenden Entzündungen der Scheide, Brennen, Jucken, Hautirritationen und eine erhebliche psychische Belastung.

Manche Beschwerden können durch eine Rekonstruktion beseitigt oder verbessert werden, manche nicht oder nur sehr schwer. In jedem Fall kann der Weg zur Wiederherstellung sehr lang sein und erfordert Stärke und Kraft, ist es oft nicht mit nur einer einzigen Korrektur getan.

Was sind die häufigsten iatrogenen, also durch einen fehlerhaften Eingriff, entstandenen Befunde?

1. „kleiner Penis“

Die häufigste Deformation nach einer fehlerhaften Schamlippenkorrektur ist die übermäßige Verkürzung der kleinen Schamlippen allein unterhalb der Clitoris, während der Clitorismantel und die Region oberhalb der Clitoris nicht oder nur unzureichend gestrafft und verkürzt werden. Damit ergibt sich immer das Bild eines kleinen Penis, noch dazu, wenn die Clitoris etwas herausragt (Citorisprotrusion) und dies nicht mit korrigiert wird.

Wenn also eine harmonische Straffung der kleinen Schamlippen über ihre gesamte Länge, also vom Schamhügel bis hinunter zum Damm erzielt werden soll, macht es daher keinen Sinn eine Technik anzuwenden, die nur die Verkleinerung der Schamlippen im Abschnitt unterhalb der Clitoris vorsieht, wie z.B. der „Keilschnitt“ nach Garry Alter. Daher ist es sehr wichtig vor dem Eingriff genau zu prüfen, welcher anatomische Befund als Ausgangssituation vorliegt und wie das erwünschte Ergebnis aussehen soll.

Übermäßige Verkleinerung der inneren Schamlippen unterhalb der Clitoris, keine Korrektur der Schamlippen im Bereich der Clitoris und darüber, keine Korrektur einer hervorstehenden Clitoris (Clitorisprotrusion).

2. Überkorrektur

Nach der Operation werden die kleinen Schamlippen mit Rückgang der Schwellung noch etwas schrumpfen. Dies sollte man bedenken und daher die kleinen Schamlippen nicht zu kurz machen. Im Idealfall haben sie eine Höhe (gemessen von ihrer Basis) von ca. 1 cm,  wenn gewünscht auch länger oder gar kürzer. In jedem Fall sollte das aber vor dem Eingriff besprochen werden. Der Verschluss des Vaginaleinganges sollte immer gewährleistet sein. Wird zu viel entfernt, insbesondere in allen drei Abschnitten der kleinen Schamlippen (also oberhalb der Clitoris, im Bereich des Clitorismantels und unterhalb der Clitoris), ist eine Rekonstruktion nur sehr schwer und allein durch Vaginalhaut möglich.

3. Unterkorrektur

Wenn zu wenig entfernt wird, ist das in der Regel nicht so schlimm, da man immer  nachkürzen kann. Dies ist zwar ärgerlich, aber meist problemlos möglich. Am häufigsten sind Unterkorrekturen im  Bereich des Clitorismantels sowie oberhalb der  Clitoris (siehe unter 1).

4. ausgefranste Wundränder

Eine weitere, sehr häufige Deformation sind Ausfransungen der Wundränder. Diese entstehen vor allem durch falsche Nahttechniken und durch zu dicke Nähte. Die Genitalregion ist allein durch Gehen und Bewegung sehr stark belastet. Dennoch können hier keine dicken Fäden verwendet werden, da diese einschneiden und zu sehr unschönen, fast sägeblattartigen Wundrändern führen, die immer korrigiert werden müssen und sich niemals von selbst glätten. Die mechanische Stabilität sollte daher durch viele, kleine Nähte gewährleistet werden, die in einer besonderen Nahttechnik eingebracht werden und  sich auch von selbst auflösen sollten.

5. Löcher

Operationstechniken, wie beispielsweise der „Keilschnitt“ hinterlassen oft auffällige Narben, die Wundränder stehen manchmal so sehr unter Spannung, dass Löcher resultieren können.

6. starke Asymmetrien

In der Regel sollten nach dem Eingriff beide Schamlippen gleich lang sein. Eine exakte geometrische Symmetrie ist immer sehr schwer zu erzielen, da die Schamlippen unterschiedlich heilen können, auch wenn man sie vor dem Eingriff perfekt ausmisst. Eine optische Symmetrie sollte aber in jedem Fall erreicht werden. Wenn nicht, spricht das in der Regel dafür, dass sie nicht ganz seitengleich operiert wurden. Komplikationen, wie z.B. Wundheilungsstörungen oder eine Infektion können ebenso Ursache einer sichtbaren Asymmetrie sein.

7. Konturdefekte

Wird der Gewebeüberschuss nicht entlang einer angezeichneten Linie entfernt, sondern nach freiem Ermessen und ohne Markierung, kann es zu einem wellenartigen Verlauf des Wundrandes bis hin zu einem Konturdefekt kommen. Die Korrektur ist in der Regel nicht schwierig.

8. Mischbilder

Es  ist natürlich möglich, dass sich die o.g. Erscheinungen und Befunde zusammen in unterschiedlicher Ausprägung vorfinden.

 

Rekonstruktionsmöglichkeiten, Techniken

Es ist immer im Einzelfall zu entscheiden, was zu tun ist, um eine unschöne Situation zu korrigieren.

Ausfransungen der Wundränder können in der Regel wieder geglättet,  Konturdefekte und Löcher verschlossen und Unterkorrekturen nachgekürzt werden. Schwieriger allerdings ist es,  etwas wieder hinzuzufügen, was zuviel entfernt wurde.

Bei einer Überkorrektur oder bei der Deformation des „kleinen Penis“ (siehe 1 und 2) ist die Rekonstruktion komplexer und auch nicht immer vollständig möglich.

Prinzipiell stehen hier zwei Möglichkeiten zur Wiederherstellung der inneren Schamlippen zur Verfügung:

  1. Rekonstruktion durch Gewebeüberschuss oberhalb der Clitoris
  2. Rekonstruktion durch Vaginalhaut

Zu 1:

Hierbei werden seitlich des Clitorisschaftes zwei längliche Läppchen umschnitten, nach unten geklappt und auf den Rest der noch bestehenden kleinen Schamlippen aufgesetzt und eingefügt. Die Durchblutung dieser Läppchen kommt über die belassene Gewebebrücke an der Basis der Läppchen.

Zu 2:

Wenn die o.g. Möglichkeit nicht besteht, vor allem, weil kein Gewebeüberschuss oberhalb der Clitoris vorhanden ist, müssen die Schamlippen durch Vaginalhaut rekonstruiert werden. Hierzu wird über einen Hautschnitt entlang des Kammes der restlichen Schamlippe die innere Schamlippe in ein inneres und äußeres Blatt gespalten und vor allem im inneren Anteil bis in die Vagina hinein abgelöst und durch Zug nach außen mobilisiert. Der dadurch neu gebildete Labienwall wird dann durch Nähte fixiert und aufrecht gehalten.

Hauttransplantate kommen zur Rekonstruktion nicht in Frage, da sie ohne Gefühl sind und optisch wenig zufriedenstellend sein können.

TIPP

Es ist bei jedem Eingriff möglich, dass ein komlikativer Heilungsverlauf das erwartete Ergebnis negativ beeinflusst. Bei Schamlippenverkleinerungen können insbesondere bei zu früher Belastung Wundheilungsstörungen auftreten mit sichtbaren Veränderungen. Daher sollten Sie sich unbedingt an die Anweisung Ihres Arztes halten und mindestens 6 Wochen nach dem Eingriff jede Art Reibung, vor allem Geschlechtsverkehr,  vermeiden. Am wichtigsten aber ist es, bei der Wahl Ihres Arztes sehr genau hinzusehen, denn die meisten und auch schlimmsten Komplikationen treten in Folge einer fehlerhaft durchgeführten Operation auf.