

22.10.2007
BEAUTY OP
UNTER UNS
Intimchirurgie lindert Schmerzen, bringt verlorene Form und manchmal auch die Lust zurĂŒck.
Egal ob eine neue Nase, gröĂere BrĂŒste oder gestraffte Lider â operative an Gesicht und Körper sind akzeptiert, GesprĂ€che ĂŒber gĂ€ngige Techniken, Genesungszeiten und die besten Schönheitsexperten gang und gĂ€be. Nahezu unbekannt ist hingegen ein eher verschwiegen gehandhabter Zweig der rekonstruktiven Medizin â die so genannte Intimchirurgie. âDabei geht es in erster Linie darum, physische Beschwerden zu lindern und Ă€sthetische Disharmonien im weiblichen Genitalbereich zu korrigieren, die die LebensqualitĂ€t der Betroffenen massiv beeintrĂ€chtigenâ...
Dass GynĂ€kologen und plastische Chirurgen sich zunehmend der Intimchirurgie zuwenden, liege an der enormen Nachfrage der Patientinnen. Zum einen seien Frauen heute körperbewusster als frĂŒher, sagt der Experte, zum anderen habe die Sichtbarkeit des Genitals allgemein zugenommen und damit auch der Ă€sthetische Anspruch. Durch die schrittweise Enthaarung bis hin zum Brazilian Waxing, bei dem kein einziges Haar das HeiĂwachs ĂŒbersteht, werden selbst Frauen, die ihre Schamkrause nur mit dem Rasierer dezent trimmen, spĂ€testens in der öffentlichen Sauna mit nackten Tatsachen konfrontiert. Im Idealfall spiegelt die Form des weiblichen Genitals das Bild einer Muschel wider. Straff und voll ausgeprĂ€gt hĂŒllen die Ă€uĂeren Schamlippen, die Labien, die inneren ein. Die Korrektur von Abweichungen erfolgt dabei selten aus rein Ă€sthetischen, sondern fast immer aus medizinischen GrĂŒnden. Die am hĂ€ufigsten vorgenommene Operation ist die innere Labienreduktion. Insbesondere Frauen zwischen 20 und 30 Jahren wenden sich deshalb an die Spezialisten.
ĂBERALL NACKTE â DAS SCHAFFT NEID
... In manchen FĂ€llen ragen die inneren Schamlippen bis zu fĂŒnf Zentimeter aus den Ă€uĂeren heraus und fĂŒhren zu körperlichen wie seelischen BeeintrĂ€chtigungen. Die Betroffenen mĂŒssen auf Sportarten wie Reiten und Fahrradfahren verzichten, und selbst der Geschlechtsverkehr kann Ă€uĂerst schmerzhaft sein, sofern es ĂŒberhaupt dazu kommt. âAuch Frauen in den Wechseljahren bemerken störende VerĂ€nderungenâ, erklĂ€rt Dr. Stefan Gress. Der renommierte Chefarzt und Besitzer von Sensualmedics Munich Medical Center hat sich vor 15 Jahren auf intimchirurgische Eingriffe spezialisiert und fĂŒhrt pro Monat rund zwanzig OP`s durch. Infolge der physiologischen Alterung und des sinkenden Ăstrogenspiegels werde das Gewebe, Ă€hnlich wie die Haut im Gesicht, dĂŒnner â die ElastizitĂ€t nimmt ab, und die Form des Genitals verliert an Struktur. Um die inneren Labien zu kĂŒrzen, vermisst der Chirurg exakt, wie viel Haut und Gewebe entfernt werden muss, um ein möglichst symmetrische Ergebnis zu erzielen. Die SchnittfĂŒhrung ist insofern kompliziert, als die flĂŒgelartige Form erhalten werden soll. Das erfordert viel praktische Erfahrung, die Eingriffe sollten deshalb nur von ausgewiesenen Spezialisten vorgenommen werden. Die OP dauert zwei Stunden und erfolgt unter lokaler BetĂ€ubung. Der Chirurg verwendet dabei eine Art Laserskalpell, das nur geringe Blutungen zulĂ€sst und somit den Heilungsprozess beschleunigt. AnschlieĂend werden die SchnittrĂ€nder mit feinen, resorbierbaren FĂ€den verschlossen, die sich nach einigen Wochen auflösen. â70 Prozent der Schwellung verschwindet nach drei bis vier Wochen, der Rest klingt in den folgenden Monaten abâ, sagt Dr. Stefan Gress.
NIMMT DAS LUSTEMPFINDEN NACH EINER OP WIRKLICH WIEDER ZU? NUN, ES GIBT FRAUEN, DIE SIND BEGEISTERT
Auch die Ă€uĂeren Labien sind dem Alterungsprozess unterworfen, nachlassendes Bindegewebe und die Schwerkraft fordern ihren Tribut. Die Struktur lĂ€sst nach, und die Haut hĂ€ngt. Selbst wenn in solchen FĂ€llen kein funktionales Problem zugrunde liegt, kann es das Sexualleben der Betroffenen beeintrĂ€chtigen. Die Lösung ist eine einfach Unterspritzung mit körpereigenem Fett. Dieses wird der Patientin zuvor aus der Innenseite der Knie, dem Bauch oder dem P entnommen und speziell aufbereitet. Ăber einen winzigen Hautschnitt am Ă€uĂeren Labienansatz werden die prĂ€parierten Fettzellen behutsam injiziert. Nach dem Eingriff, der unter örtlicher BetĂ€ubung erfolgt, wird der Intimbereich verbunden und gekĂŒhlt. AnfĂ€ngliche Schwellungen und BlutergĂŒsse sind normal. Auf Reiten, Radfahren, Joggen und Geschlechtsverkehr mĂŒssen die Patientinnen allerdings, wie bei der inneren Labienreduktion, rund vier Wochen verzichten.
Zu den Ă€sthetischen Operationen zĂ€hlt auch die Modellierung des SchamhĂŒgels. âFrauen, die eine starke Gewichtsreduktion hinter sich haben, stellen hĂ€ufig fest, dass die FettschĂŒrze im Genitalbereich besonders resistent gegen ihre BemĂŒhungen istâ..
... TatsĂ€chlich schrumpfen die Lipidzellen dort ebenso langsam wie den unbeliebten âReiterhosenâ. In diesem Fall empfiehlt sich eine Liposuktion: âDie meisten Frauen wissen nicht, dass es diese einfache chirurgische Lösung fĂŒr ihr Leiden gibtâ.
... Viele seiner Patientinnen seien nach der Operation sehr erstaunt darĂŒber, wieder Hosen tragen zu können, ohne dass sich der Unterbauch störend durch den Stoff drĂŒckt. HĂ€ufig wird der Eingriff mit einer Bauchdeckenstraffung kombiniert. Mit leichten BlutergĂŒssen und Schwellungen muss man auch hier rechnen. Zudem wird fĂŒr vier bis sechs Wochen ein spezielles Miederhöschen empfohlen. Die Kosten fĂŒr diese drei verschiedenen Operationen betragen jeweils rund 1.500 Euro.
Weitgehend unbekannt ist, dass die Intimchirurgie nicht nur Ă€uĂere Disharmonien beheben, sondern selbst bei âinneren UnzulĂ€nglichkeitenâ helfen kann. âEbenso wie die Körperhaut wird auch das Gewebe des Vaginalkanals mit zunehmendem Alter dĂŒnnerâ, sagt Der Stefan Gress. Neben Hormonschwankungen, die die Schleimhaut strapazieren, habe das Trauma der Geburt den gröĂten Impact auf diese Region â kleine narbige Risse seien die Folge, vergleichbar mit den Schwangerschaftsstreifen der Körperhaut. Um die Vagina zu verengen, gibt es zwei Möglichkeiten: âDer Scheidenkanal kann mittels Lipostrukturtechnik verengt und mit körpereigenem Fett unterfĂŒttert werden. Oder man entnimmt ĂŒberschĂŒssiges Gewebe und strafft die umgebende Muskulaturâ, erklĂ€rt der Experte. Der Grundgedanke ist beide Male derselbe und basiert auf dem einfachen mechanischen Prinzip: je enger der Kanal, desto mehr Reibung: je mehr Reibung desto gröĂer ist die Lust. Da das unterspritzte Fett in einem Jahr bis zu 30 Prozent wieder abgebaut wird, garantiert das erste Verfahren nur einen vorĂŒbergehenden Effekt. Wissenschaftliche Studien ob die OP das Lustempfinden tatsĂ€chlich steigert, gibt es noch nicht. Viele Frauen, so Gress, seien von dem Ergebnis jedoch begeistert. Die Kosten belaufen sich auch rund 4000 Euro.
Umstrittener ist die Unterspritzung des so genannten G-Punkts. Dieser Begriff bezeichnet eine mĂŒnzgroĂe Stelle, die vier bis fĂŒnf Zentimeter vom Harnröhrenausgang entfernt an der Vorderseite der Vagina liegt und durch die gefĂ€ltete OberflĂ€che als rauerer Bereich ertastbar ist. Wie sensibel der Punkt auf mechanische Stimuli reagiert, ist von Frau zu Frau verschieden. Es gilt wieder das Prinzip: mehr Volumen, mehr Lust. Plastische Chirurgen intensivieren den Punkt, indem sie das Areal mit Eigenfett der Patientin oder mit HyaluronsĂ€ure unterspritzen und auf das Doppelte seiner GröĂe aufwölben. Die HyaluronsĂ€ure wird vom Körper nach sechs Monaten wieder abgebaut, das Eigenfett hĂ€lt sich lĂ€nger. Rund 1000 Euro kostet dieser Eingriff.
Einen viel Ă€lteren, kulturgeschichtlichen Hintergrund hat die Hymenplastik, die Rekonstruktion des JungfernhĂ€utchens. âDiese OP wird in Deutschland bereits so lange durchgefĂŒhrt, wie moslemische Frauen bei uns wohnenâ,...
... Vor allem in arabischen LĂ€ndern ist die dĂŒnne Membran, die die Ăffnung zur Vagina ĂŒberdeckt und die UnberĂŒhrtheit einer Frau symbolisiert, von groĂer traditioneller Bedeutung und muss bis zur Hochzeitsnacht bestehen. Doch nicht nur durch den Geschlechtsakt, auch durch mechanische Belastungen wie beim Reiten kann das Hymen zerstört werden. Der Wiederaufbau erfolgt mit eigenem Gewebe. Etwa 2800 Euro berechnen Chirurgen dafĂŒr.
Dass diese kleinen Eingriffe die LebensqualitĂ€t der Patientinnen entscheiden verbessern können, darin sind sich alle Chirurgen einig. GroĂen Wert leben sie aber auch darauf, zu betonen, was nicht ihre Absicht ist: âIntimchirurgie will keine Designer-Vaginen kreierenâ, ...
Tania Messner